
14. Oktober 2025 | Mein Gegenüber ist kein Gedankenleser.
Memo an mich selbst
"Mein Gegenüber ist kein Gedankenleser."
Was ich damit sagen will
„Ich muss doch nicht alles aussprechen – man merkt mir doch eh an, wie’s mir gerade geht.“
Kommt dir dieser Gedanke bekannt vor?
Wir verlassen uns viel zu oft auf stumme Andeutungen, hoffen auf überragende Menschenkenntnis oder erwarten ein zu hohes Maß an Einfühlungsvermögen – besonders in engen Beziehungen.
Und sind umso enttäuschter, wenn unser Gegenüber “falsch” oder überhaupt nicht reagiert.
Doch das ist keine Unzulänglichkeit der anderen.
Denn: Niemand ist ein Gedankenleser. Und niemand sollte es sein müssen.
Wer verstanden werden möchte, muss sagen, was er denkt.
Wer Klarheit schaffen will, muss aussprechen, was er braucht.
Und wer möchte, dass Erwartungen erfüllt werden, sollte sie nicht nur hegen, sondern formulieren.
💡 Unklarheit trennt – Kommunikation verbindet
Wir wünschen uns oft, dass andere uns „einfach verstehen“.
Aber echte Verbindung entsteht nicht durch Gedankenlesen, sondern durch das bewusste Teilen:
Was beschäftigt mich gerade?
Was brauche ich – ganz konkret?
Was kann ich (nicht) leisten?
Klarheit beginnt mit dem Mut, sich mitzuteilen.
Denn unausgesprochene Erwartungen führen nur selten zu erfüllten Bedürfnissen – dafür umso öfter zu Missverständnissen, Frust oder Rückzug.
📌 Ein Beispiel
Alice wirkt seit Tagen gereizt. Bob* spürt, dass irgendetwas nicht stimmt, fragt aber nicht nach – aus Angst, sie zusätzlich zu stressen.
Stattdessen zieht er sich etwas zurück, um ihr „Platz zu lassen“.
Alice wiederum nimmt seine Zurückhaltung als Desinteresse wahr.
Das Missverständnis wächst.
Am Freitagabend beim Essen fragt Bob vorsichtig:
„Ich hab das Gefühl, du bist in letzter Zeit viel mit dir beschäftigt. Magst du mir sagen, was los ist?“
Alice seufzt und sagt:
„Ich bin gerade völlig überfordert – meine To-do-Liste ist endlos. Und ich dachte, dass es dich entweder nicht interessiert oder dass du sauer auf mich bist, weil ich so wortkarg war. Deshalb hab ich mich nicht getraut, etwas zu sagen.“
Das Gespräch bringt Entlastung, weil beide aufhören, Annahmen zu treffen und stattdessen anfangen, ihre Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen.
*Wer Alice und Bob sind, kannst du hier nachlesen.
Challenge accepted!
Diese Woche achte ich darauf, wo ich mich aufs Gedankenlesen verlasse.
Und statt zu hoffen, dass mein Gegenüber es schon irgendwie merkt, formuliere ich klar:
Was ich denke
Was ich brauche
Was ich gerade geben kann (oder eben nicht)
Brigittes Randnotizen
Im letzten Newsletter hatte ich ein Anliegen: Ich wollte wissen, ob dir eine der Memos vielleicht schon mal einen Aha-Moment beschert hat – oder ob sich deine Kommunikation dadurch ein Stück verändert hat.
Falls du bisher noch keine Gelegenheit hattest, mir ein paar Zeilen zu schreiben, aber gerne noch etwas teilen möchtest: Ich freu mich auch weiterhin über eine Mail von dir.
Ganz egal, ob ein Satz oder ein ganzer Absatz – ich freu mich drauf.
Kommunikative Grüße und bis nächste Woche,
Brigitte
PS: Ein großes Dankeschön an alle, die mir in den letzten Tagen Feedback geschickt haben – ich habe mich riesig über eure Rückmeldungen gefreut!
So viele ehrliche, kluge und mutmachende Gedanken. Wirklich schön zu lesen, was die Memos bei euch bewirken.
