
19. Mai 2026 | Ich muss nicht sofort reagieren.
Memo an mich selbst
"Ich muss nicht sofort reagieren."
Was ich damit sagen will
Nicht jede Frage verlangt nach einer sofortigen Antwort.
Nicht jede Situation nach einer spontanen Entscheidung.
Ich darf überlegen.
Ich muss weder direkt reagieren noch sofort Position beziehen.
Gerade unter Druck sagen wir Dinge, die wir später bereuen.
Oder treffen Entscheidungen, die wir im Nachhinein lieber anders gefällt hätten.
Zeit zu gewinnen ist kein Zeichen von Schwäche.
Sondern von Selbstführung.
Zum Beispiel so:
„Ich weiß gerade nicht, was ich dazu sagen soll.“
„Ich möchte mir das in Ruhe durch den Kopf gehen lassen.“
„Dazu melde ich mich später noch einmal.“
Alles legitim.
💡 Schlagfertigkeit ist planbar
Viele glauben, Schlagfertigkeit sei ein Talent.
Dabei kannst du dich gezielt vorbereiten.
Überlege dir im Vorfeld typische Situationen:
Ein spitzer Kommentar im Meeting.
Eine unangenehme Frage.
Ein spontanes Angebot.
Und entwickle ein paar Sätze, die immer passen.
Zum Beispiel:
Ein sachliches: „Wie genau meinst du das?“
Ein interessiertes: „Das überrascht mich. Erzähl mir mehr darüber.“
Ein gleichgültiges: „Du magst es anders sehen – für mich passt es so.“
Wer vorbereitet ist, kann gelassen reagieren.
📌 Ein Beispiel
Alice sitzt abends mit Bob* auf dem Sofa.
Sie sagt:
„Wie wäre es mit einem spontanen Besuch in der Therme nächste Woche? Ich könnte echt mal wieder einen Tag Urlaub gebrauchen.”
Bob antwortet:
„Grundsätzlich eine gute Idee. Ich schaue morgen in meinen Arbeitskalender und gebe dir dann Bescheid, welcher Tag am besten passt.“
Alice hätte lieber sofort eine Antwort und neckt ihn:
„Entscheidungsfreudigkeit ist nicht so deine Stärke, was?“
Bob lächelt.
„Stimmt, gerade bin ich nicht besonders spontan. Ich möchte vermeiden, dass ich erst zusage und dir nach einem Blick in meinen Kalender wieder absagen muss.“
Alice nickt:
„Guter Punkt. Dann planen wir das morgen Abend in Ruhe.”
*Wer Alice und Bob sind, kannst du hier nachlesen.
Challenge accepted!
In den nächsten zwei Wochen erlaube ich mir bewusst, nicht sofort zu reagieren.
👉 Welche vorbereiteten Sätze helfen mir dabei, gelassen zu bleiben?
Brigittes Randnotizen
Im Zusammenhang mit der heutigen Memo an mich selbst musste ich an das Buch „Ich bin o.k. – du bist o.k.“ von Thomas A. Harris denken.
Darin beschreibt der Autor drei Ich-Anteile, die unsere Gedanken, Gefühle und Handlungen beeinflussen:
Das Eltern-Ich – bewertet, kritisiert oder gibt Regeln vor.
Das Kindheits-Ich – reagiert emotional, trotzig oder angepasst.
Das Erwachsenen-Ich – kommuniziert sachlich, ruhig und auf Augenhöhe.
Wenn wir erkennen, welcher dieser Anteile gerade das Steuer übernommen hat, kann es uns gelingen, ungesunde Kommunikationsmuster zu durchbrechen.
Vor allem in stressigen Situationen rutschen wir nämlich oft automatisch ins Eltern- oder Kind-Ich.
Reagieren impulsiv.
Oder fühlen uns angegriffen.
Und genau hier schließt sich der Kreis zum heutigen Memo:
Wenn du dir einen Moment Zeit nimmst, bevor du reagierst, gibst du dir selbst die Chance, wieder ins Erwachsenen-Ich zurückzukehren.
Also in den Teil von dir, der zuhört, einordnet und bewusst entscheidet, wie er antworten möchte.
Kommunikative Grüße und bis übernächste Woche,
Brigitte
