
16. Juni 2026 | Sei ehrlich.
Memo an mich selbst
"Sei ehrlich."
Was ich damit sagen will
Unwahrheiten kosten Energie.
Denn wer lügt – selbst im Kleinen – muss sich merken, wem er was erzählt hat.
Die Wahrheit hingegen braucht kein Monitoring.
Sie ist konsistent.
Sie ist eindeutig.
Und sie spart Kraft.
Je mehr Versionen einer Geschichte im Umlauf sind, desto mehr mentale Arbeit entsteht.
Und genau hier beginnt der Stress.
Deshalb:
Sei ehrlich.
Mit anderen.
Und vor allem mit dir selbst.
💡 Ehrlich heißt nicht allwissend
Ehrlich zu sein bedeutet nicht, zu allem eine Meinung haben zu müssen.
Es ist völlig legitim zu sagen:
„Das weiß ich nicht.“ oder
„Dazu habe ich mir noch keine Meinung gebildet.“
Ein ehrliches „Darüber muss ich erst nachdenken“ wirkt oft souveräner als ein vorschnell formulierter Standpunkt, den du später wieder revidierst.
📌 Ein Beispiel
Alice und Bob* unterhalten sich darüber, wie sie das vergangene Wochenende verbracht haben.
Alice erzählt, dass sie mit einer Freundin in der Sauna war – und wie erholsam das war.
Bob sagt:
„Da sind doch lauter Typen, die nur da sind, um Frauen zu begaffen. Wie kannst du dich denn da wohlfühlen?“
Alice könnte der Einfachheit halber zustimmen.
Könnte sagen, wie unangenehm das Begafftwerden ist.
Die Wahrheit ist jedoch:
Solche „Typen“ sind ihr noch nie aufgefallen.
Während der Saunagänge ist sie ganz bei sich.
Ihre Umwelt nimmt sie kaum wahr.
Also sagt sie schulterzuckend:
„Jeder mag seine eigenen Gründe haben – ich für meinen Teil gehe in die Sauna, weil es mir guttut.“
Bob zieht irritiert eine Augenbraue hoch.
Alice ergänzt ruhig:
„Ganz ehrlich: Warum sollte ich mir während meiner Entspannungszeit die ganze Zeit Sorgen machen, dass mich jemand anschauen könnte?“
*Wer Alice und Bob sind, kannst du hier nachlesen.
Challenge accepted!
In den nächsten zwei Wochen frage ich mich bewusst:
👉 In welcher Situation erzähle ich jedem etwas anderes?
👉 Wo kann ich in Zukunft ehrlicher – und damit klarer – sein?
Brigittes Randnotizen
Anderen die Wahrheit zu sagen ist die eine Sache – aber wie ehrlich sind wir dabei zu uns selbst?
Wir sind erstaunlich gut darin, uns die Dinge so zurechtzulegen, dass wir uns mit unserem eigenen Verhalten wohlfühlen.
Das Problem dabei:
Solche Geschichten sind oft sehr bequem, aber sie halten uns davon ab, etwas zu verändern.
Ein paar Klassiker:
Die Opfergeschichte: „Ich kann nichts dafür.“
Die Schurkengeschichte: „Du bist an allem schuld.“
Die Hilflosigkeitsgeschichte: „Mir blieb nichts anderes übrig.“
Alle diese Narrative haben eines gemeinsam:
Sie fühlen sich wahr an – und wir entziehen uns damit unserer Verantwortung.
Ehrlichkeit beginnt also schon damit, die eigene Darstellung einer Situation zu hinterfragen.
Welche Geschichte erzählst du (dir), wenn etwas schiefgegangen ist?
Kommunikative Grüße und bis übernächste Woche,
Brigitte
