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26. August 2025 | Höre ohne Egozentrik zu.

August 26, 20253 min read

Memo an mich selbst

"Höre ohne Egozentrik zu."


Was ich damit sagen will

Wir alle kennen Menschen, die in Gesprächen ständig von sich erzählen – und solche, die sich wirklich dafür interessieren, was wir zu sagen haben.

Gute Zuhörer geben uns das Gefühl, gesehen und gehört zu werden: Statt selbst zu glänzen, stellen sie Fragen. Statt die Richtung des Gesprächs (immer wieder) auf sich zu lenken, lassen sie Raum entstehen – und genau das bleibt positiv in Erinnerung.

💡 Ein lesenswerter Artikel

Why we should all stop saying “I know exactly how you feel” von Celeste Headlee

Die wichtigste Erkenntnis der Autorin:

Was meine Gesprächspartner brauchten, war, dass ich ihnen empathisch zuhörte, aber stattdessen zwang ich sie, sich anzuhören, was ich erlebt hatte, das ähnlich zu ihrer jetzigen Situation war.

Der Soziologe Charles Derber nennt dieses Muster „conversational narcissism“ und meint damit den subtilen und oft unbewussten Wunsch, im Mittelpunkt jeder Unterhaltung zu stehen.

Basierend darauf unterscheidet er in Gesprächen zwischen zwei Arten von Antworten:

  • Shift Response: lenkt das Gespräch zurück auf uns.

  • Support Response: unterstützt den anderen dabei, seine Gedanken zu teilen.

📌 Ein Beispiel

Alice* kommt morgens ins Büro und sagt strahlend:
„Ich hatte gestern so ein tolles Gespräch mit einer ehemaligen Kollegin!“

Szenario 1: “Shift Response”

Bob* erinnert sich sofort an eine eigene Begebenheit und antwortet:
„Ach witzig! Ich habe neulich auch einen alten Kollegen von mir getroffen und der hat er mir erzählt …“

Alice rollt innerlich mit den Augen und denkt:
„Klar, seine Geschichte ist wieder wichtiger.”

Szenario 2: “Support Response”

Bob schenkt ihr seine volle Aufmerksamkeit und sagt:
„Wie schön! Was genau war so besonders an dem Gespräch?“

Alice erzählt begeistert, dass die Kollegin nun in der Nachbarabteilung arbeitet und ihr wertvolles Feedback zur Zusammenarbeit der beiden Bereiche gegeben hat.

*Wer Alice und Bob sind, kannst du hier nachlesen.


Challenge accepted!

Diese Woche versuche ich in Gesprächen bewusst mehr Fragen zu stellen, als von mir selbst zu erzählen.

Ich höre aufmerksam zu, hake nach – und beobachte, was das bei meinem Gegenüber bewirkt.


Brigittes Randnotizen

Hallo,

letzte Woche habe ich dir von meinem Kommunikations-Experiment „Hausboot“ erzählt. Heute möchte ich noch eine Szene ergänzen:

Direkt vor der Schleuse Himmelpfort hatte sich ein Stau gebildet. Wir legten also erstmal an und fragten die Crew vor uns, was los sei. Die Antwort: Das hellblaue Hausboot, das als nächstes an der Reihe gewesen wäre, wollte nicht weiterfahren. 

Bevor wir – wie alle anderen vor uns auch – ablegten, um an dem pausierenden Boot vorbeizufahren, gaben wir die Info selbstverständlich noch an den Hobby-Kapitän hinter uns weiter.

Während das gelbe Hausboot direkt vor uns Richtung geöffneter Schleuse weiterfuhr, legten wir wieder an, um zu warten, denn uns war klar, dass wir nicht auch noch in die Schleusenkammer passen würden.

Nach kurzer Zeit kam das gelbe Boot jedoch im Rückwärtsgang zurück und bei uns machte sich Verwirrung breit: Ist diese Schleuse kleiner als alle anderen davor?

Während wir dem Rückkehrer beim Festmachen halfen, lief der Kapitän vom Boot hinter uns kurzerhand zur Schleuse vor, klärte die Lage und brachte die Info zurück: Die Schleuse fasst wie üblich drei Hausboote – die vor uns hatten sich nur nicht abgestimmt.

Als wir dann endlich dran waren, lief alles wie am Schnürchen:
Reinfahren, die anderen beiden Crews fragen, ob sie bereit sind, dann den Schleusungsvorgang starten.

Es kann so einfach sein – wenn man miteinander redet.

Kommunikative Grüße und bis nächste Woche,
Brigitte

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