
21. April 2026 | Höre zu, um zu verstehen.
Memo an mich selbst
"Höre zu, um zu verstehen."
Was ich damit sagen will
Hörst du zu, um zu verstehen –
oder wartest du nur darauf, endlich selbst sprechen zu dürfen?
In hitzigen Gesprächen passiert es schnell:
Dein Gegenüber redet. Und du sortierst innerlich schon deine Gegenargumente.
Du hörst die Worte.
Aber du hörst nicht mehr zu.
Gerade in Konflikten ist das unser Standardmodus.
Wir warten auf unsere Gelegenheit, das Gesagte zu widerlegen.
Doch wer nur darauf wartet, selbst zu sprechen, wird das Gegenüber nie wirklich verstehen.
Und ohne Verständnis entsteht keine Lösung.
Dabei ist wichtig zu wissen: Verstehen heißt nicht automatisch zustimmen.
Du kannst immer noch sagen:
“Ich verstehe dich. Und ich sehe es anders.”
💡 Nicht ich gegen dich, sondern wir gegen das Problem
Vielleicht erinnerst du dich noch an Memo Nr. 12 „Nicht ich gegen dich, sondern wir gegen das Problem.“
Solange du innerlich in einer Ich gegen dich-Haltung bist, wartest du auf deine Verteidigungsmöglichkeit.
Erst wenn du in eine Wir gegen das Problem-Haltung wechselst, hörst du wirklich zu.
Zuhören bedeutet dann nicht mehr, Gegenargumente zu sammeln.
Sondern das Problem gemeinsam zu verstehen.
Und das verändert die Dynamik eines Gesprächs komplett.
📌 Ein Beispiel
Alice und Bob* diskutieren über die Aufteilung von Aufgaben zwischen ihnen.
Bob sagt:
„Ich habe das Gefühl, dass ich deutlich mehr Verantwortung übernehme als du.“
Alice spürt sofort Widerstand.
Sie möchte erklären, was sie alles leistet.
Und warum das so nicht stimmt.
Stattdessen sagt sie:
„Okay. Hilf mir zu verstehen, wo genau du dieses Ungleichgewicht siehst.“
Bob zählt zwei konkrete Situationen auf.
Alice hört aufmerksam zu.
Am Ende stellt sich heraus:
Es geht weniger um Arbeitsmenge und mehr um fehlende Transparenz.
*Wer Alice und Bob sind, kannst du hier nachlesen.
Challenge accepted!
In den nächsten zwei Wochen beobachte ich mich in Konfliktsituationen:
👉 Warte ich auf meine Gelegenheit zu sprechen?
👉 Oder versuche ich wirklich zu verstehen, was meinen Gegenüber bewegt?
Brigittes Randnotizen
Vor Kurzem habe ich an einer Schulung zum Thema „Heikle Gespräche führen“ teilgenommen.
Nicht, weil ein konkretes Gespräch anstand, sondern einfach, um meinen Horizont zu erweitern.
Dass ich immer etwas dazulernen kann, wurde mir auch dieses Mal wieder bewusst:
Ich würde von mir behaupten, dass ich ziemlich viel über Kommunikation weiß.
Und trotzdem muss auch ich die Anwendung immer wieder üben.
Denn Theorie ist das eine – der Moment des Gesprächs das andere.
Da bleibt keine Zeit, lange zu überlegen, wie ich etwas formuliere.
Und dann passiert es auch mir, dass ich eine Ich-Botschaft formuliere, die trotzdem wie ein Du-Vorwurf klingt.
Hoppla.
Die Sache ist die:
Gute Kommunikation ist kein Zustand, den man einmal erreicht, sondern eine Fähigkeit, die man immer wieder bewusst trainiert.
Kommunikative Grüße und bis übernächste Woche,
Brigitte
